Kreditvergabe an Unternehmen im Euroraum wächst im September um 4,2 Prozent – Banken verschärfen Bedingungen
EZB-Daten zeigen anhaltendes Wachstum bei Unternehmenskrediten und Darlehen an private Haushalte. Eine vierteljährliche Umfrage weist zugleich auf eine schwächere Nachfrage, höhere Finanzierungskosten und strengere Kreditbedingungen hin.
FRANKFURT, Deutschland —

Die Kreditvergabe an Unternehmen im Euroraum ist im September mit einer unveränderten Jahresrate von 4,2 Prozent gewachsen. Gleichzeitig berichteten Banken von strengeren Kreditstandards und einer schwächeren Nachfrage nach neuen Unternehmenskrediten, wie aus am Dienstag veröffentlichten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht.
Die Zahlen zeigen zwei Seiten der Kreditentwicklung im Euroraum: Die ausstehenden Kredite nehmen weiterhin solide zu. Neue Finanzierungen werden jedoch teurer und schwerer erhältlich, da höhere Zinsen, geopolitische Unsicherheit und Entwicklungen an den Energiemärkten die Risikobereitschaft der Banken belasten.
Auch die Kreditvergabe an private Haushalte hielt sich stabil. Sie wuchs im September binnen Jahresfrist um 3,1 Prozent und damit ebenso stark wie im Vormonat. Das war zugleich das kräftigste Wachstum seit mehr als drei Jahren.
Die Spannung in den Daten
Die viel beachteten Kreditdaten bilden den Bestand an Darlehen ab, die bereits in den Bilanzen der Banken stehen. Die vierteljährliche Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft beschreibt dagegen die Bedingungen für Kreditnehmer, die neue Finanzierungen suchen – und diese Bedingungen haben sich im dritten Quartal verschlechtert.
Netto 9 Prozent der Banken gaben an, ihre Kreditstandards für Darlehen oder Kreditlinien an Unternehmen verschärft zu haben. Damit fiel die Verschärfung stärker aus als im Vorquartal. Gleichzeitig meldeten netto 6 Prozent der Institute eine geringere Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Damit wurde die zuvor erwartete Zunahme um 4 Prozent nicht nur verfehlt; die Entwicklung folgte auch auf einen leichten Anstieg um 3 Prozent im zweiten Quartal.
Nach Angaben der EZB war das allgemeine Zinsniveau der wichtigste Faktor für die schwächere Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Die Banken verwiesen außerdem auf eine gestiegene Risikowahrnehmung und eine geringere Risikotoleranz. Einige Institute berichteten von zusätzlichem Druck durch geopolitische Unsicherheit und Entwicklungen im Energiesektor.
Immobilienkredite bremsen besonders stark
Am deutlichsten verschlechterte sich die Lage bei der Wohnraumfinanzierung. Netto 27 Prozent der Banken meldeten im dritten Quartal eine sinkende Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Im zweiten Quartal waren es netto 15 Prozent gewesen. Zudem fiel der Rückgang deutlich stärker aus als das von den Banken in der vorherigen Umfragerunde erwartete Minus von 12 Prozent.
Die EZB führte den Rückgang vor allem auf höhere Zinsen zurück, gefolgt von einem schwächeren Verbrauchervertrauen und einem eingetrübten Ausblick für den Immobilienmarkt. Die Banken verschärften ihre Genehmigungsstandards für Hypotheken im Quartal zwar nicht, meldeten jedoch eine deutliche Verschärfung der Konditionen.
Die Nachfrage nach Verbraucherkrediten und anderen Darlehen an private Haushalte ging leicht zurück. Netto 2 Prozent der Banken berichteten von einer geringeren Nachfrage. Die Standards für Verbraucherkredite verschärften die Institute netto um 14 Prozent. ecb.europa
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Kreditumfrage wurde gemeinsam mit der separaten EZB-Umfrage zum Zugang von Unternehmen zu Finanzmitteln veröffentlicht, die am Montag erschienen war. Unternehmen berichteten von einem weiteren Nettoanstieg der Zinsen für Bankkredite und gaben an, dass die Verfügbarkeit von Darlehen stärker zurückgegangen sei als ihr Finanzierungsbedarf. ecb.europa
Der Anteil der Unternehmen, die Hindernisse bei der Aufnahme eines Bankkredits meldeten, stieg in den drei Monaten bis September von 5 Prozent im Vorquartal auf 7 Prozent. Sowohl kleine und mittlere Unternehmen als auch Großunternehmen berichteten von einer geringeren Verfügbarkeit von Krediten.
Für deutsche Unternehmen ist die Umfrage eher ein Warnsignal als ein unmittelbarer Krisenhinweis. Exporteure und Industrieunternehmen leiden bereits unter einer schwachen Nachfrage und hohen Kosten. Werden Kredite teurer oder knapper, könnten Investitionsentscheidungen verzögert werden – gerade in einer Phase, in der Unternehmen die Energiewende, die Automatisierung und die Diversifizierung ihrer Lieferketten finanzieren müssen.
Warum der Kreditbestand weiter wächst
Der scheinbare Widerspruch zwischen einem starken Wachstum der ausstehenden Kredite und einer schwächeren Nachfrage nach neuen Darlehen ist vor allem eine Frage des Zeitpunkts. Kredite, die in früheren Quartalen genehmigt wurden, stützen weiterhin die Jahreswachstumsrate. Die Umfrage erfasst dagegen die jüngsten Veränderungen bei der Kreditbereitschaft der Banken und der Aufnahmebereitschaft der Unternehmen.
Die EZB führte ihre Umfrage zwischen dem 21. September und dem 6. Oktober durch. Sie umfasste 159 Banken und erreichte eine Rücklaufquote von 100 Prozent. Erfasst wurden die im dritten Quartal beobachteten Veränderungen sowie die Erwartungen der Banken für die letzten drei Monate des Jahres 2026.
Für das vierte Quartal erwarten die Banken eine Verschärfung der Standards in allen Kreditkategorien. Das deutet darauf hin, dass sich das derzeitige Kreditwachstum in den kommenden Monaten abschwächen könnte.
Worauf es jetzt ankommt
- Geldmengendaten für Oktober und November: Bleibt das jährliche Wachstum der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen nahe bei 4,2 Prozent, oder beginnt es sich abzuschwächen, sobald die strengeren Standards Wirkung zeigen?
- Die nächste EZB-Umfrage zum Kreditgeschäft: Setzt sich die erwartete Verschärfung im vierten Quartal tatsächlich durch, und geht die Nachfrage nach Unternehmenskrediten weiter zurück?
- Deutsche Investitions- und Auftragsdaten: Verzögern Industrieunternehmen ihre Investitionen, weil die Finanzierungskosten steigen und die Exportnachfrage unsicher bleibt?
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