A container vessel passes by the partially dried-up river bed
A container vessel passes by the partially dried-up river bed of the Rhine at the Shell Energy and Chemicals Park Rheinland - Nord in Godorf near Cologne, western Germany on August 7, 2026, following exceptionally hot weather. Industrial production and exports in Germany rose slightly in June, the country's statistics office said Friday, but analysts warned of risks from rivers running dry and the Mideast war. Ina FASSBENDER / AFP via Getty Images

Deutschlands Erholung ist real – doch sie erfasst nur eine Hälfte der Wirtschaft.

Die vorläufigen Einkaufsmanagerdaten von S&P Global für August zeigten, dass der Indikator für das verarbeitende Gewerbe auf 54,1 sprang und damit alle Erwartungen übertraf – die stärkste Entwicklung der Branche seit mehr als vier Jahren. Jeder Wert über 50 signalisiert Wachstum, und 54,1 ist ein eindeutiger.

Der zusammengesetzte Index sank dennoch von 51,3 im Juli auf 51. Der Grund liegt auf der anderen Seite der Bilanz: Der Dienstleistungssektor fiel auf 48,5 und rutschte damit wieder in die Kontraktion.

Diese Divergenz wiegt in Deutschland schwerer, als es der zusammengesetzte Gesamtindex vermuten lässt, denn der Dienstleistungssektor macht rund 62 Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung aus – nach manchen Berechnungen sogar fast 70 Prozent des BIP. Der größere Teil der Wirtschaft schrumpft, während der kleinere an Fahrt gewinnt.

Die Erholung der Industrie hat einen sichtbaren Grund

Die Verbesserung in der Industrie wird nicht nur durch Umfragestimmungen, sondern auch durch harte Daten untermauert.

Die deutschen Exporte erreichten im Juni einen Rekordwert. Kalender- und saisonbereinigt wurden Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro ins Ausland verschifft – der höchste je verzeichnete Monatswert –, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber Mai und 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, womit sich der Anstieg zum fünften Mal in Folge fortsetzte. Die Importe stiegen noch stärker, um 4,4 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 123,9 Milliarden Euro und um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dieser Rekord wurde trotz des Kriegs im Iran erzielt, nicht etwa in dessen Abwesenheit. Die Exporte fungierten als Stütze für eine ansonsten schwächelnde Wirtschaft – nahezu eine Umkehrung des Musters, das die vergangenen drei Jahre geprägt hatte, als die schwache Auslandsnachfrage die wichtigste Bremse war.

Die Investorenstimmung hat sich in dieselbe Richtung entwickelt. Der Erwartungsindex des ZEW-Instituts stieg im August von 26,3 im Juli auf 34,2 und lag damit über dem von Analysten im Median erwarteten Wert von 30, wobei auch der Indikator für die aktuelle Lage die Erwartungen übertraf.

Warum der Dienstleistungssektor das schwierigere Problem ist

Eine Kontraktion im Dienstleistungssektor bei gleichzeitiger industrieller Expansion ist eine ungewöhnliche Konstellation und verweist eher auf die Binnennachfrage als auf äußere Bedingungen.

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass der Energiepreisschock Kosten und Preise erhöht und damit reale Einkommen und Gewinnmargen belastet hat, was die Nachfrage dämpfte – eine spürbare Belebung des privaten Konsums wird erst für 2027 erwartet, wenn die Unsicherheit nachlässt. Die Kaufkraft der Haushalte wurde genau durch jene Weitergabe der Energiepreise geschmälert, die auch in den deutschen Inflationsdaten dokumentiert ist, wo die Kraftstoffkosten die Beschleunigung im Juli antrieben.

Im Dienstleistungssektor zeigt sich diese Belastung zuerst. Die Industrie verkauft größtenteils in Exportmärkte, die sich erholen. Dienstleistungen werden größtenteils auf einem Binnenmarkt verkauft, auf dem die realen Einkommen sich nicht erholt haben.

Der Faktor Energie bleibt akut: Analysten haben davor gewarnt, dass eine länger andauernde Schließung der Straße von Hormus den Ölpreis deutlich nach oben treiben könnte, was den Druck auf die Haushaltsbudgets verlängern würde, der derzeit den Dienstleistungssektor bremst.

Prognostiker bleiben skeptisch

Die Verbesserung bei den Monatsdaten hat die Jahresprognosen bislang kaum bewegt, und die Spanne zwischen ihnen ist groß.

Die aktuellen Prognosen deutscher Forschungsinstitute und staatlicher Institutionen reichen für 2026 von 0,4 bis 0,9 Prozent und für 2027 von 0,8 bis 1,4 Prozent. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung senkte seine Prognose für 2026 von 1,0 auf 0,9 Prozent; Vorsitzende Monika Schnitzer argumentierte, Deutschland müsse neue Perspektiven für Wachstum und Sicherheitspolitik entwickeln, und der Rat urteilte, dass die von der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz beschlossenen zusätzlichen Ausgaben in diesem Jahr nur einen geringen Wachstumseffekt haben würden. Die Europäische Kommission prognostiziert 0,6 Prozent für 2026 und 0,9 Prozent für 2027; der IWF bezifferte in seiner Juli-Aktualisierung das Wachstum für 2026 auf 0,7 Prozent.

Die Kluft zwischen einem Einkaufsmanagerindex von 54,1 für das verarbeitende Gewerbe und einer Jahreswachstumsprognose von unter 1 Prozent ist kein Widerspruch. Sie spiegelt wider, welchen Anteil der Wirtschaft dieser starke Wert überhaupt abdeckt.

Daneben steht ein strukturelles Argument, das dem konjunkturellen entgegenläuft. Bloomberg veröffentlichte diese Woche eine Analyse darüber, warum Deutschlands industrielle Maschine ins Stocken gerät, und stellte fest, dass die historische Erzählung von starkem, nahezu ununterbrochenem Wachstum einer veränderten Landschaft gewichen ist. Ein einzelner starker Monat beantwortet nicht die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit, die sich seit Jahren aufbaut.

Worauf es jetzt ankommt

Der endgültige Einkaufsmanagerindex für August wird die vorläufige Schätzung bestätigen oder revidieren, wobei der Wert für den Dienstleistungssektor die entscheidende Zahl ist – ein zweiter aufeinanderfolgender Monat unter 50 würde eher einen Trend als eine Schwankung belegen.

Zweitens stellt sich die Frage, ob die Exportstärke anhält. Fünf aufeinanderfolgende monatliche Zuwächse und ein Rekordjuni sind beeindruckend, doch die Auslandsnachfrage ist auch der Bereich, in dem sich eine schwächelnde US-Verbraucherstimmung und rückläufige Einzelhandelsumsätze irgendwann bemerkbar machen würden.

Drittens geht es um die Finanzpolitik. Der Sachverständigenrat beurteilt die zusätzlichen Staatsausgaben als kurzfristig nur begrenzt wirksam, während die Bundesbank erwartet hat, dass zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur die staatliche Nachfrage später deutlich anheben werden. Welche dieser Einschätzungen sich als richtig erweist, entscheidet darüber, ob die Binnenwirtschaft zur Industrie aufschließt.