Burchardkai container terminal at the harbour of Hamburg, northern Germany,
Cargo shipping containers are loaded with cranes on container ships at the Burchardkai container terminal at the harbour of Hamburg, northern Germany, on June 3, 2025 FABIAN BIMMER/AFP via Getty Images

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte – mehr als die von Ökonomen erwarteten 0,1 Prozent. Destatis korrigierte zudem das Wachstum im ersten Quartal von zunächst gemeldeten 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent nach oben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent höher.

Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit Wachstum, eine Aufwärtskorrektur und eine übertroffene Prognose — für eine Volkswirtschaft, die drei Jahre lang als der kranke Mann Europas galt, liest sich das wie eine Wende. Die Stimmung in den Unternehmen scheint dem zuzustimmen. Der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts stieg im Juli auf 86,6 Punkte, nach 85,7 im Juni — der dritte monatliche Anstieg in Folge und mehr als der erwartete Konsenswert von 86,1.

Betrachtet man jedoch die Zusammensetzung des Wachstums, wird die Geschichte komplizierter.

Exporte steigen, Investitionen sinken

Laut der Mitteilung von Destatis stiegen die Exporte im Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt an. Das war der Wachstumsmotor. Alle inländischen Komponenten entwickelten sich hingegen gegenläufig: Die Konsumausgaben zeigten laut dem Amt einen verhaltenen Trend, während die Bruttoanlageinvestitionen — sowohl unternehmerische als auch öffentliche — deutlich zurückgingen.

Das ist ein unbequemer Befund für die Regierung Merz, denn Investitionen sind genau das, was ihr fiskalpolitisches Programm hervorbringen sollte. Die Koalition hatte die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse gelockert, sodass Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 Prozent des BIP nicht mehr darauf angerechnet werden, und daneben einen Infrastrukturfonds über 500 Milliarden Euro eingerichtet. Fünfzehn Monate nach Amtsantritt der Regierung sinkt die quartalsweise Anlageinvestition, statt zu steigen.

Es gibt harmlose Erklärungen dafür. Große Infrastrukturzusagen brauchen mehrere Quartale, um sich in Beschaffungsaufträge und schließlich in erfasste Investitionen zu übersetzen, und das Geld muss durch Bund, Länder und Kommunen fließen, die selbst an Kapazitätsgrenzen stoßen. Auch die Rüstungsbeschaffung wirkt bremsend: Wie IBT im Mai berichtete, hat die gleichzeitige Aufrüstung in ganz Europa die Preise für Militärgerät binnen zwei Jahren um mehr als 50 Prozent steigen lassen, sodass ein wachsender Anteil des deutschen Verteidigungsbudgets Fähigkeiten kauft, anstatt sich als neue inländische Anlageinvestition niederzuschlagen.

Die ehrliche Lesart des zweiten Quartals lautet jedoch: Deutschlands Wachstum kam aus der Auslandsnachfrage, und die fiskalischen Impulse sind in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung noch nicht angekommen.

Die ifo-Zahlen sind eine Erholung von einem Schock, kein Boom

Die Stimmungsdaten verdienen dieselbe Behandlung. Die Verbesserung im Juli ging fast ausschließlich auf die Erwartungen zurück, die von 84,3 auf 86,7 sprangen — der höchste Wert seit Februar. Die Einschätzung der Unternehmen zu ihrer aktuellen Lage verschlechterte sich hingegen und fiel von 87,0 auf 86,5.

Der Kontext ist sowohl für das Niveau als auch für die Richtung entscheidend. Im April war der Index auf 84,4 gefallen, den tiefsten Stand seit Mai 2020, als der Konflikt um Iran eine Volkswirtschaft traf, die stark von importierten Rohstoffen abhängig ist. Der anschließende dreimonatige Anstieg ist eine teilweise Erholung von diesem Schock. Mit 86,6 Punkten liegt der Index weiterhin unter seinem Stand vor einem Jahr.

Die Details auf Branchenebene sind jedoch wirklich ermutigend. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich von -12,5 auf -9,6, wobei Unternehmen von anziehender Nachfrage und nachlassenden Materialengpässen berichteten. Im Baugewerbe stieg der Wert von -22,8 auf -20,4, weniger Unternehmen klagten über schwache Auftragsbücher. Der Handel verbesserte sich von -26,7 auf -23,4, die Dienstleistungen von -5,1 auf -4,4. Alle wichtigen Sektoren bewegten sich in dieselbe Richtung — das war in den vergangenen drei Jahren nicht oft der Fall.

Die Rezession, die es teilweise nie gab

Versteckt in derselben Destatis-Mitteilung findet sich eine Revision, die die deutsche Wirtschaftsgeschichte der vergangenen drei Jahre still und leise umschreibt. Im Rahmen seiner jährlichen Sommerrevision überarbeitete das Amt die Ergebnisse bis zurück ins Jahr 2011 und berücksichtigte neue statistische Informationen für die Jahre 2022 bis 2025.

Die Revision für 2024 ist erheblich. Wo die früheren Daten eine um 0,5 Prozent schrumpfende Wirtschaft zeigten, weisen die aktualisierten Zahlen eine Stagnation aus — unverändert bei 0,0 Prozent. Destatis führte die Änderung vor allem auf die strukturelle Unternehmensstatistik zurück, die erst 18 Monate nach dem Berichtsjahr verfügbar wird und ein erstes detailliertes Bild von Unternehmensumsätzen, Investitionen und Kostenstrukturen liefert. Die Revisionen für 2022 und 2023 fielen im Vergleich dazu gering aus und verschoben sich jeweils um ein Zehntel Prozentpunkt. Die Rate für 2025 blieb unverändert bei 0,2 Prozent.

Das macht 2024 nicht zu einem guten Jahr. Es bedeutet jedoch, dass ein Datenpunkt, der einen enormen Teil der politischen Debatte trug — die Behauptung, Deutschland habe mehrere Jahre in Folge eine regelrechte Rezession durchlebt — teilweise ein Messartefakt war. Die vollständigen Details sollen am 25. August zusammen mit den umfassenden Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht werden.

Das Zinsproblem

Der unangenehme Teil des Gesamtbilds ist die Geldpolitik. Normalerweise würde eine Volkswirtschaft, die pro Quartal um zwei Zehntel wächst und deren Investitionen sinken, Unterstützung von der Zentralbank erwarten. Sie bekommt das Gegenteil.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt ihren Leitzins im Juli bei 2,25 Prozent, nachdem sie ihn im Juni angehoben hatte — die erste Erhöhung seit 2023 —, und Händler preisen für September eine weitere Anhebung um einen Viertelpunkt ein. Präsidentin Christine Lagarde erklärte, die Bank erwarte nun, dass die Inflation bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027 deutlich über dem Zielwert bleibe, und warnte, dass anhaltender Druck bei den Energiepreisen über Zweitrundeneffekte in eine breitere Inflation einfließe.

Das bringt Deutschland in eine ungewöhnliche Zwangslage. Die Geldpolitik der Eurozone wird auf ein Inflationsproblem ausgerichtet, das seinen Ursprung am Golf hat, während die deutsche Binnenwirtschaft lockerere statt straffere Bedingungen bräuchte. Die frühere Analyse von IBT zu Europas Abgleiten in Richtung Stagflation verwies auf dieselbe Spannung innerhalb des gesamten Blocks: steigende Preise bei gleichzeitig schwächerer Aktivität. Das zweite Quartal Deutschlands ist eine mildere Version davon, keine Flucht daraus.

Worauf es jetzt ankommt

Die Märkte behandelten die Veröffentlichung als nebensächlich. Der Euro bewegte sich nach den BIP- und ifo-Daten nur geringfügig — die angemessene Reaktion auf eine Volkswirtschaft, die pro Quartal um zwei Zehntel wächst.

Drei Fragen werden entscheiden, ob es sich um eine echte Wende oder lediglich um ein paar gute Quartale handelt. Ob der Golf-Konflikt eingedämmt bleibt, da Deutschlands Exposition sowohl über die Energiekosten als auch über die Exportnachfrage läuft. Ob sich der Infrastrukturfonds in der zweiten Jahreshälfte in den Investitionsdaten niederschlägt. Und ob der private Konsum jemals mitzieht — denn eine exportgetriebene Erholung in einem Land mit schrumpfender Binnennachfrage ist eine Erholung, die vollständig vom Wachstum anderer abhängt.

Die Veröffentlichung am 25. August ist der nächste echte Test.